3 Mindset-Shifts, die Projektmanager vollziehen müssen, wenn sie eine Karriere als Scrum Master anstreben

Immer mehr Projektmanager wollen Scrum Master werden.

Das ist ein nachvollziehbarer Karrierewechsel, denn „Software frisst die Welt“, um es mit den Worten von Marc Andreesen zu sagen. Die Digitalisierung reißt Grenzen ein. Die Nutzer erwarten von jedem Unternehmen, dass ihnen die Produkte die gleiche Erfahrung bieten, wie sie es von Amazon, Google, Facebook, Apple und Netflix gewohnt sind. Die Komplexität, die dabei für Unternehmen entsteht, kann mit traditionellen Projektmanagement-Methoden nicht mehr beherrscht werden. In sich schnell verändernden und kaum vorhersagbaren Situationen hat Scrum seine Vorteile unter Beweis gestellt und deshalb ist es nur konsequent, dass viele Unternehmen nun ebenfalls Scrum einführen. 

Da es in Scrum weder Projekte noch Projektmanager gibt, überlegen viele Projektmanager Scrum Master zu werden. 

Allerdings ist der Wechsel nicht einfach. 

In den letzten Jahren habe ich mehrere große Unternehmen bei der Einführung von Scrum begleitet und die angehenden Scrum Master ausgebildet und gecoacht. Dabei ist mir aufgefallen, dass Menschen, die jahrelang im Projektmanagement gearbeitet haben, nur erfolgreiche Scrum Master wurden, wenn sie die folgenden 3 Mindset-Shifts vollziehen konnten.

Mindset-Shift #1: Von Projektdenken zu Produktdenken

Was unterscheidet ein Projekt von einem Produkt?

Erfolg wird nicht darüber bestimmt, ob die geplante Arbeit in der vorgegebenen Zeit und innerhalb des vorgegebenen Budgets abgeliefert wird, sondern darüber, ob der Nutzer von dem Ergebnis begeistert ist. Erfolg wird nicht vorab von innen nach außen definiert, sondern er entwickelt sich kontinuierlich von außen durch die Ergebnisse für Nutzer und Kunden. Bei angehenden Scrum Masters musste ich beobachten, dass sie ihre Arbeit darin sahen, die Velocity des Teams zu bestimmen, Berichte darüber anzufertigen oder Performance-Aussagen anhand von Vergleichen mit anderen Teams zu ziehen.

Die Aufgabe des Scrum Masters besteht jedoch eben nicht darin, mit internen Metriken zu steuern, sondern allen ständig vor Augen zu führen, dass es die höchste Priorität ist, den Kunden durch frühe und kontinuierliche Auslieferung wertvoller Produkte zufriedenzustellen. Dieses Produkt-Mindset fördert Kreativität, verringert Verschwendung und garantiert häufigere Releases. 

Am Ende sollten Scrum Master nie vergessen, dass Kunden keine Projekte kaufen, sondern Produkte.

Mindset-Shift #2: Von perfekter Planung zu Empirie 

Wie heißt es so schön? Willst du Gott zum Lachen bringen, dann erzähle ihm deine Pläne.

Scrum Master, die im Sprint Planning eine detaillierte Ressourcenplanung durchführen und mithelfen, minutiös alle Arbeiten auf die verfügbaren Entwickler aufzuteilen, haben noch nicht verstanden, dass in der Welt der Produktentwicklung, die durch Unvorhersagbarkeit geprägt ist, die wenigsten Pläne den Kontakt mit der Wirklichkeit überleben. Mehr Analyse und detaillierte Planung helfen nicht, die unruhige See der Komplexität zu navigieren. Was hingegen hilft, ist empirisch vorzugehen: Indem sich das Team Ziele setzt und regelmäßig den Fortschritt bei der Erreichung dieser überprüft. Bei unverhofften Ereignissen sollte sich das Team neue Wege überlegen, um zum Ziel zu kommen. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit gesteigert, das Ziel zu erreichen, auch wenn Unvorhergesehenes eintritt. Dieses Vorgehen hat nur eine Schwachstelle: Es funktioniert lediglich so gut, wie wirkliche Transparenz über den Fortschritt herrscht. Darin besteht die Aufgabe eines Scrum Masters!

Scrum Master helfen dem Team Transparenz herzustellen, damit das Team den aktuellen Fortschritt überprüfen und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen kann.

Mindset-Shift #3: Von Management zu Selbstmanagement 

Was ist die Aufgabe des Scrum Masters im Daily Scrum?

Mit Sicherheit nicht, sich im Daily Scrum mit dem Klemmbrett unter dem Arm vor die Entwickler zu stellen und jeden Einzelnen auszufragen, was er gestern gemacht hat und was er heute machen wird. Leider musste ich bei ehemaligen Projektmanagern schon einige Male miterleben, dass sie das Daily Scrum mit einem Projektstatus-Meeting verwechselt haben. Selbstmanagement bedeutet eben gerade, dass es keinen Manager benötigt. Scrum Master, die ihre Rolle darin sehen, das Team zu managen, unterdrücken mit ihrem Verhalten aktiv das Selbstmanagement des Teams. Die Aufgabe des Scrum Masters ist es, das Team zu unterstützen, die Arbeit selbst zu managen und die Verantwortung für den Arbeitsprozess zu übernehmen. Im Daily Scrum kann dies passieren, indem Scrum Master dabei helfen, den Fortschritt bei der Erreichung des Sprint-Ziels im Sprint-Backlog sichtbar zu machen. Nun können die Entwickler jeden Tag eigenständig ihre nächsten Arbeiten planen, die zur Erreichung des Sprint-Ziels beitragen. Selbstmanagement kann erst passieren, wenn es Grenzen gibt. Der Scrum Master unterstützt das Scrum Team dabei, sich selbst zu managen, indem er dem Team hilft, die Grenzen, die durch das Scrum Rahmenwerk gegeben sind, zu verstehen. 

Das Scrum Rahmenwerk ermöglicht das empirische Arbeiten eines sich selbst managenden Teams. Die Konzentration liegt dabei auf dem Nutzen für die Anwender des Produkts. Erfolgreiche Scrum Master haben diese Einstellung verinnerlicht und dienen ihrem Team als Vorbild.



Simon Flossmann
Simon Flossmann
Als Professional Scrum Trainer bei Scrum.org hilft Simon Scrum Masters, Product Ownern und Agile Leaders, Scrum effektiv einzusetzen, um agiler zu werden.

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