Lernen bedeutet nicht wissen! 4 Schritte, um in Schulungen jeden einzubeziehen und der reinen Wissensvermittlung den Rücken zu kehren

Im letzten Jahr habe ich über 40 Workshops für Scrum Master, Product Owner und Führungskräfte durchgeführt.

Willst du ein Geheimnis wissen?

Ich benutze jedes Mal das gleiche Vorgehen. Egal, welches Thema oder Publikum, ob online oder in Präsenz. Der Lernerfolg eines Trainings wird nur durch einen Faktor bestimmt: wie gut du als Trainer es schaffst, die Teilnehmer einzubeziehen.

Wenn du weiterliest, teile ich mein Vorgehen mit dir. Dabei gebe ich dir eine konkrete vierschrittige Methode an die Hand. Und das Beste: Da ich das Vorgehen selbst von Sharon Bowman gelernt habe, bin ich mir sicher, dass du es auch lernen und in deinen Workshops umsetzen kannst. Wenn du weiterliest, erfährst du alle Einzelheiten.

Los geht’s:

Die Millionen-Euro-Frage, die sich jeder Trainer stellen sollte

 

Sie geht auf Sharon zurück und lautet:

Womit verbringen die Lernenden die meiste Zeit während deiner Schulung?

  1. Mit dem Lesen von Folien, Handouts oder Texten
  2. Mit Zuhören
  3. Mit dem Betrachten von Bildern auf Folien oder dem Ansehen von Videos
  4. Mit der Diskussion von Konzepten oder dem Üben von neuen Fertigkeiten
  5. Mit dem gegenseitigen Unterrichten und voneinander Lernen

Die Optionen 1. bis 4. sind einfach für den Trainer, aber leider schlecht für den Lerner.

Definierst du „Lernen“ als Fähigkeit, sich an Informationen zu erinnern, dann verwechselst du Wissen mit Lernen. Dafür kann dir aber niemand die Schuld geben, da du es nicht anders kennst. So wie jeder andere auch, wurdest du 12 Jahre der Gehirnwäsche unterzogen, dass man so lernt. Der Lehrer ist eben nicht die Quelle aller richtigen Antworten, da dies die Entwicklung kritischen Denkens bei den Schülern verhindert. Und im wirklichen Leben wird Teamarbeit geschätzt und nicht als Schummeln geächtet.

Lernen ist eben nicht wie „in der Schule“.

Mit der Auswahl von 4. und 5. bist du auf dem richtigen Weg.

Jedes Mal, wenn Schulungsteilnehmer Konzepte besprechen und Fertigkeiten üben, lernen sie. Außerdem können sie sich damit neue Informationen länger merken und sind auch in der Lage, sie außerhalb des Schulungsraums anzuwenden.

Wenn sich in deinen Schulungen die Teilnehmer gegenseitig unterrichten und voneinander lernen, dann ist dein Training allen anderen um Lichtjahre voraus, da du einer der wenigen bist, die verstanden haben, dass das Unterrichten einer anderen Person eine der wirkungsvollsten Methoden ist, um zu lernen. Ermöglichst du den Teilnehmern, einander zu unterrichten und voneinander zu lernen, steigert dies ihr eigenes Selbstvertrauen, ihre Kompetenz und ihre Fähigkeit, das Gelernte auch wirklich anzuwenden.

Du hilfst ihnen, die Lehrinhalte zu meistern!

Wie kannst du nun ein Training gestalten, welches die Teilnehmer konstant einbezieht?

Die 4Cs-Map: Deine Landkarte zur Gestaltung und Durchführung von Schulungen

 

Die 4Cs-Map von Sharon Bowman ist ein vierstufiges Modell für die Gestaltung und Durchführung von Schulungen, welches auf den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert, wie Menschen von Natur aus und normalerweise lernen.

Du hast richtig gelesen: nur ein Modell für jeden Lerntyp!

Mit der 4Cs-Map gestaltest du jede Schulung – unabhängig vom Inhalt oder dem Alter der Teilnehmer. Die Theorie, dass es unterschiedliche Lerntypen gibt, ist bereits seit vielen Jahren überholt. Das menschliche Gehirn ist darauf programmiert, auf bestimmte Weise zu lernen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität oder Kultur. Diese Erkenntnis nutzt diese Lernlandkarte.

Hier ist ein Überblick über die vier Schritte:

Connection/Verbindungen: Dies ist der Beginn eines Abschnittes oder die Eröffnung eines Trainings. „Connection“ kann auch die Zeit vor dem Training umfassen. Während des Schritts stellen die Lernenden die „Verbindungen“ zu dem her, was sie bereits über das Schulungsthema wissen oder zu wissen glauben. Sie stellen auch eine Verbindung zu dem her, was sie mit den anderen Lernenden in der Gruppe und dir, dem Trainer, lernen werden oder lernen wollen.

Concept/Konzepte: Während des Schritts „Konzepte“ nehmen die Lernenden neue Informationen über unterschiedliche Sinneskanäle auf. Dazu gehören Hören, Sehen, Anfassen, Diskutieren, Schreiben, Nachdenken, Vorstellen, Mitmachen und Weitergeben an andere.

Concrete Practice/konkrete Praxis: Dies ist die aktive Einübung oder Überprüfung der Information. Sie sollte in der Regel auf die Vermittlungsphase folgen. Während des Schritts der konkreten Übung üben die Lernenden aktiv eine neue Fähigkeit unter Verwendung der neuen Informationen. Sie nehmen an einer aktiven Überprüfung des Gelernten teil und bringen wiederum anderen bei, was sie wissen oder jetzt machen können.

Conclusion/Schlussfolgerungen: Der letzte Schritt ist der Abschluss eines Lernabschnitts oder der abschließende Teil einer Schulung. Wie bei der Connection kann er auch die Zeit nach der Schulung umfassen. Während des Schritts fassen die Lernenden zusammen, was sie gelernt haben. Sie bewerten das Gelernte oder verpflichten sich, es bei der Arbeit oder in ihrem Leben anzuwenden. Dieser Schritt sollte immer mit einer kurzen Feier ihrer Lernerfahrung enden.

Eine 4Cs-Map, die dir hilft, das Scrum Rahmenwerk zu unterrichten

 

Hier meine erste 4Cs-Map, die ich vor einigen Jahren im „Training From the Back of the Room“-Training entwickelt habe.

Du siehst auch, welches Feedback ich damals bei der Vorstellung erhalten habe. Ich habe mir dieses Feedback zu Herzen genommen und seither die Landkarte immer weiter verfeinert.

Heute unterrichte ich das Scrum Rahmenwerk im „Professional Scrum Master“-Training so:

Connection/Verbindungen:

Um die Verbindung zum Vorwissen über das Rahmenwerk herzustellen, lasse ich die Teilnehmer die Elemente des Rahmenwerks dem Scrum Diagramm zuordnen.

Concept/Konzepte:

In diesem Schritt knüpfe ich an das Vorwissen der Teilnehmer an und erkläre zuerst einen groben Ablauf in Scrum. Danach beantworte ich Fragen, die bei der Vorstellung meiner Version von Scrum aufgetreten sind.

Concrete Practice/konkrete Praxis:

Zum Einüben des Gelernten präsentiere ich den Teilnehmern Szenarien und sie sollen ergründen, wie ihnen die Anwendung der Scrum Elemente in dieser Situation helfen könnte.

Conclusion/Schlussfolgerungen:

Zum Abschluss ermögliche ich den Teilnehmern, das Gelernte zu reflektieren und mit ihrem Wissen vor der Schulung zu vergleichen. Dazu präsentiere ich ihnen vier Fragen, die sie beantworten sollen:

  • Was war neu?
  • Was war unterschiedlich?
  • Was war bereits bekannt?
  • Wie wirst du das Gelernte in deinem Alltag einsetzen?

Ich bin überzeugt, dass ein Großteil meines Erfolgs bei Trainings auf die strukturierte Umsetzung der 4Cs-Map beruht. Wie du hier lesen kannst:

„Praxisbezogener Workshop – sehr zu empfehlen!“

„Der Workshop mit Simon war wirklich großartig! Die Mischung aus Theorie und Praxis war super – alle Tools und Methoden wurden direkt ausprobiert. Ich konnte viel für meinen Alltag als Scrum Master mitnehmen und fühle mich jetzt als Facilitator deutlich sicherer.“– Sahra

Führst du auch Workshops oder Trainings über Scrum oder agiles Arbeiten durch? Suchst du nach einer vierwöchigen Unterstützung, deine Trainings so zu gestalten, dass Reviews wie oben zur Regel werden und nicht die Ausnahme darstellen? Dann besuche ein „Training From the Back of the Room“-Training mit mir.

Simon Flossmann
Simon Flossmann
Als Professional Scrum Trainer bei Scrum.org hilft Simon Scrum Masters, Product Ownern und Agile Leaders, Scrum effektiv einzusetzen, um agiler zu werden.

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