Nutze den Wert des Sprint Reviews und vermeide diese 5 gängigen Anti-Pattern
Warum ist das Sprint Review so wichtig?
Fragt man Scrum Master, welches Scrum-Event das wichtigste ist, hört man meistens „Sprint Retrospektive”. Product Owner nennen das Sprint Planning.
Welchen Wert das Sprint Review hat, zeigt sich nicht selten durch die negativen Folgen, wenn wir es nicht nutzen. Hier entscheidet sich, ob ein Team Transparenz schafft, sich Ziele setzt, Vertrauen gewinnt und echtes Feedback erhält.
Doch warum wird das Sprint Review oft als schwierig wahrgenommen?
Vielleicht weil sich hier besonders schnell Anti-Pattern etablieren – einige sind offensichtlich, andere schleichen sich unbemerkt ein.
Ich möchte hier auf 5 Anti-Pattern eingehen, die ich selbst oft beobachtet habe.
Anti-Pattern 1: Vermeidungstaktik – Das Sprint Review wird abgesagt.
2019 war ich Teil eines Scrum-Teams. Der Sprint verlief reibungslos. Zwei Tage vor dem Ende hatten wir alles abgeschlossen, was für das Sprint-Ziel nötig war. Das Team war schon in Feierlaune – nur das finale Deployment stand noch aus.
Der Prozess startete, doch kurz vor Abschluss ging es nicht weiter. Mehrere Versuche scheiterten.
Und nun? Was sollten wir im Sprint Review berichten, wenn das Problem ungelöst blieb? Etwa: „Eigentlich sind wir fertig, aber es funktioniert nichts“? Würden die Kunden dann nicht das Vertrauen verlieren und womöglich das Budget einfrieren? Wie würde unser Team mit einem solchen Rückschlag umgehen? Diese Fragen beschäftigten mich.
Am nächsten Tag bestand das Problem weiterhin. Es wäre naheliegend gewesen, das Sprint Review abzusagen. Doch wir fassten uns ein Herz und erklärten den Stakeholdern offen, was passiert war. Zu meiner Überraschung zahlte sich dieser Mut aus – meine Sorgen traten nicht ein. Jetzt konnten wir aus einer geklärten Situation heraus unsere Arbeit fokussiert fortsetzen.
Dieses Beispiel bringt mich zurück zu der Frage, weshalb das Sprint Review kaum als wichtigstes Scrum-Event bezeichnet wird. Ich vermute, viele schrecken davor zurück. Denn es ist richtig: Sprint Reviews sind anspruchsvoll – sie erfordern die Voraussicht aus dem Sprint Planning und zugleich Mut und Offenheit wie in der Retrospektive.
Mein Tipp gegen dieses Anti-Pattern: Habt den Mut, genau das zu tun. Es zahlt sich aus.
Anti-Pattern 2: Jeder Eintrag im Sprint-Backlog wird präsentiert
Dieses Muster begegnet mir am häufigsten.
Dann passiert Folgendes:
- Entwickler zeigen den Stakeholdern jede einzelne Aufgabe aus dem Sprint-Backlog.
- Auch unfertige Einträge werden vorgestellt.
Zwei Tipps, um das zu vermeiden:
Tipp 1: Fokussiert euch auf die Kunden.
Es geht nicht darum, wie beschäftigt das Team war. Entscheidend ist, wie die Arbeit den Schmerz der Nutzer lindert oder deren Bedürfnisse erfüllt. Beschränkt euch auf wenige Einträge – jene, die echten Mehrwert versprechen. Erfahrungsgemäß sind das die Punkte, die Stakeholder aus Support, Vertrieb, Marketing oder Geschäftsführung interessieren.
Tipp 2: Sprecht nur über „Done“-Einträge.
Der Scrum Guide ist eindeutig:
„Wenn ein Product-Backlog-Eintrag nicht der Definition of Done entspricht, kann er weder released noch beim Sprint Review präsentiert werden.“
Das ist sinnvoll. Unfertige Arbeit weckt falsche Erwartungen. Außenstehende können selten einschätzen, wie viel Aufwand noch fehlt. Ein Feature mag auf dem Rechner laufen, doch bis zum Release vergeht unbestimmte Zeit.

Lesetipps zum Sprint Review von Simon Flossmann
Scrum im Selbststudium – Teil 14: Sprint Review – Überprüfung der Sprintergebnisse und weitere Planung
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Weil dieser Hinweis so oft übersehen wird, formuliere ich ihn als eigenes Anti-Pattern:
Anti-Pattern 3: Fehlende Ziele
Wird im Sprint Review das Sprint-Ziel in den Mittelpunkt gestellt, verschwinden meist auch die Probleme aus Anti-Pattern 2.
Ein Sprint-Ziel formt aus einer Gruppe von Entwicklern ein Team mit gemeinsamer Ausrichtung. Es vermittelt zudem ein klares Bild einer angestrebten Zukunft.
Ich nutze dafür die Formulierung:
„Am Ende dieses Sprints wollen wir unseren Stakeholdern berichten, dass es unseren Nutzern nun möglich ist, folgende Sache zu tun.“
Mein Tipp: Unterstütze dein Team dabei, für jeden Sprint ein Ziel zu definieren.
Füllt die Platzhalter „Stakeholder“, „Nutzer“ und „Sache“ gemeinsam mit Leben. Beginnt das Sprint Review stets mit dem Sprint-Ziel und zeigt, welche Backlog-Einträge es unterstützt haben. Ein klarer Fokus verwandelt ein dröges Meeting in eine spannende Erzählung – und das Ziel dient als roter Faden für das Review.
Anti-Pattern 4: Die Teilnehmer bleiben passiv
Im Sprint Review geht es um Feedback.
Da Ergebnisse in der Produktentwicklung nie vollständig vorhersehbar sind, ist Rückmeldung entscheidend, um zu prüfen, ob das Team auf dem richtigen Weg ist. Schweigende Stakeholder sind ein deutliches Warnsignal.
Zwei Tipps, um das zu ändern:
Tipp 1: Halte das Review kürzer.
Der Scrum Guide erlaubt bis zu vier Stunden – aber auch 30 Minuten reichen, wenn das Wesentliche behandelt wird. Je kürzer das Meeting, desto leichter fällt es, aktiv dabei zu sein. Leite dich von der Frage: Wenn wir nur eine Sache besprechen könnten – welche wäre es?
Tipp 2: Gib den Stakeholdern mehr Redezeit.
Stelle Fragen und lasse Raum für Antworten, z. B.:
- Welche Fragen habt ihr zu dieser Funktion?
- In welchen Situationen würdet ihr sie nutzen?
- Was ist sofort verständlich, was noch unklar?
- Wie intuitiv wirkt die Bedienung?
- Welche Verbesserungen wünscht ihr euch?
Nehmt die Diskussion fest in die Agenda auf – nach der Präsentation der Ergebnisse folgt die gemeinsame Besprechung, erst danach der Ausblick.
Anti-Pattern 5: Konkurrenz durch andere Meetings
Scrum-Events sollen andere Meetings überflüssig machen. Der Scrum Guide sagt über das Daily Scrum:
„Daily Scrums verbessern die Kommunikation, identifizieren Hindernisse, fördern schnelle Entscheidungen und eliminieren konsequent die Notwendigkeit für andere Meetings.“
Gleiches gilt für das Sprint Review.
Fehlen wichtige Stakeholder, gibt es womöglich konkurrierende Termine, etwa:
- Produktstrategie-Meeting
- Projekt-Status-Meeting
- Lenkungsausschuss
- Marketing- und Vertriebsstrategie-Meetings
- Kundenpräsentationen
- Budget-Reviews
- Roadmap-Besprechungen
Mein Tipp: Informiere dich über den Zweck dieser Meetings oder nimm einmal selbst daran teil. Überschneidet er sich thematisch mit dem Sprint Review? Dann suche Wege, sie zu verbinden. Vielleicht heißt das Meeting am Ende nicht mehr „Sprint Review“. Aber wenn dadurch mehr Stakeholder teilnehmen und wertvolles Feedback entsteht, ist das ein entscheidender Gewinn.
Sieh das Sprint Review als einen entscheidenden Schritt für Verbesserung
Das Sprint Review ist kein Routine-Meeting, sondern DER zentrale Moment, in dem Transparenz, Mut und Kundenorientierung sichtbar werden. Wer es absagt, mit Details überfrachtet, ohne Ziel auskommt, passives Publikum hinnimmt oder es anderen Terminen unterordnet, schwächt seine Wirkung erheblich.
Doch wenn Teams den Mut aufbringen, offen über Fortschritte und Hindernisse zu sprechen, den Fokus auf das Ziel legen und Stakeholder aktiv einbinden, entsteht echter Mehrwert. Das Sprint Review wird dann zu dem, was es sein sollte: ein gemeinsamer Schritt in Richtung einer besseren Zukunft für Produkt, Team und Kunden.










