Die 10 am häufigsten gestellten Fragen (und Antworten) in meinem Professional Scrum Product Owner Training

In jedem Professional Scrum Product Owner Training werden die gleichen 10 Fragen gestellt.

Und das zu Recht! Das sind die Dinge, mit denen die Teilnehmer am meisten zu kämpfen haben.

Professional Scrum Product Owner

Um den Dingen zuvorzukommen, beantworte ich dir die Fragen gleich vorweg. Wenn du dich schon jetzt damit beschäftigst, wirst du noch mehr aus einem Training bei mir für deinen Alltag als Product Owner mitnehmen können.

Frage 1: “Was ist die wirkliche Verantwortung eines Product Owners?”

Wie ein Unternehmer Verantwortung für ein Unternehmen übernimmt, übernimmt ein Product Owner Verantwortung für ein Produkt.

Um den Wert eines Produkts erfolgreich zu maximieren, musst du dich als agilen Product Manager begreifen. Eine Person, die die finanzielle und funktionale Verantwortung für ein Produkt hat, sowie die Kenntnisse über alle Aspekte des Produktmanagement, wie Nutzer und Kunden, Marketing, Wettbewerber, Recht, Finanzen und Scrum. Je mehr ein Product Owner die Entscheidungsgewalt in allen Bereichen des Produktmanagements übernimmt, desto ganzheitlicher kann der Wert des Produkts langfristig maximiert werden.

Die erfolgreichsten Product Owner widmen ihr Berufsleben dem Wohl eines Produkts.

Frage 2: “Wie schreibe ich gute User Stories?”

Sollst du nicht.

Die Wahrheit ist, dass höchstwahrscheinlich das Umformulieren oder detaillierte Beschreibungen von Anforderungen nicht zu besseren Erfolgen führen wird. Was aber wahrscheinlich zu besseren Erfolgen führen wird, ist wenn du rausgehst und mit deinen Kunden und Nutzern sprichst. Frage sie, welche Probleme sie haben und was sie brauchen, um sie zu lösen. Nimm das restliche Scrum Team mit und gib ihnen die Möglichkeit, die Probleme aus erster Hand zu hören. Haltet im Anschluss diese Problembeschreibung als Erinnerung im Backlog fest.

Bei User Stories geht es im Kern eben nicht darum, Dinge zu formulieren, sondern dem Scrum Team die Möglichkeit zu geben, die wirklichen Probleme eurer Kunden zu lösen.

Frage 3: “Was ist der Unterschied zwischen einem Akzeptanzkriterium und der Definition of Done?”

Beginnen wir mit den Definitionen:

Akzeptanzkriterium: Akzeptanzkriterien stammen aus dem Extreme Programming und haben ihren Ursprung im User-Acceptance-Testing. In ihrer allgemeinsten Form definieren sie, was erledigt werden muss, damit eine User Story vollständig ist.

Definition of Done: Die Definition of Done ist eine formale Beschreibung des Zustands des Increments, wenn es die für das Produkt erforderlichen Qualitätsmaßnahmen erfüllt.

Die zwei Hauptunterschiede im Detail:

  • Akzeptanzkriterien und Definition of Done haben einen unterschiedlichen Geltungsbereich: Die Definition of Done beschreibt das Produktinkrement, hingegen beziehen sich Akzeptanzkriterien auf einen Product-Backlog-Eintrag.
  • Definition of Done ist ein Bestandteil von Scrum. Sie schafft Transparenz, indem sie allen ein gemeinsames Verständnis darüber vermittelt, welche Arbeiten als Teil des Increments abgeschlossen wurden. Akzeptanzkriterien hingegen sind ergänzende Praktik für Scrum Teams.

Frage 4: “Wie pflege ich das Product Backlog?”

Indem du im Scrum Team ein gemeinsames Verständnis für die Elemente im Product Backlog und dessen Anordnungen schaffst.

Dies ist so essentiell, in Scrum nennen wir diese Produkt-Management-Tätigkeit: Refinement. Hierbei geht es darum, dass die Entwickler die Product-Backlog-Einträge so gut verstanden haben, dass sie ziemlich zuversichtlich sind, diese innerhalb eines Sprints umsetzen zu können. Setze dich regelmäßig mit dem Team zusammen und besprecht die Elemente im Product Backlog. Ein guter Zeitpunkt dafür könnte nach dem Daily Scrum sein. In diesem Termin stellst du die Einträge vor und beantwortet Fragen. Dies ist eine einfache Möglichkeit den Product Backlog zu pflegen.

Behalte dabei immer im Hinterkopf: Wie gut die Elemente beschrieben sind, ist zweitrangig. Entscheidend ist, wie gut sie vom Scrum Team verstanden sind.

Frage 5: “Wie manage ich Stakeholder effektiv?”

Stakeholder sind diejenigen, die den Erfolg oder Misserfolg des Produkts bestimmen. Deshalb solltest du sie identifizieren, kategorisieren und passend involvieren.

Zum Identifizieren ist es hilfreich, wenn du folgende Kategorien heranzieht:

  • Nutzer: Das sind die Menschen, die das Produkt nutzen. Sie ziehen einen direkten Nutzen aus der Verwendung des Produkts.
  • Governance: Personen, die ein Interesse daran haben, wie das Produkt verwaltet wird. Zum Beispiel Vorstände, PMO, Auditoren oder Behörden.
  • Influencer: Personengruppen, die den Einfluss haben die strategische Ausrichtung des Produkt zu ändern. Zum Beispiel Medien, Gewerkschaften und Lobbygruppen.
  • Anbieter: Lieferanten und Händler fallen in diese Kategorie.

Nach der Identifizierung musst du dir überlegen, wie du sie am Besten einbeziehen kannst. Mit Stakeholdern, die viel Einfluss und ein großes Interesse haben, solltest du engen Kontakt pflegen. Lade sie beispielsweise ins Sprint Review ein. Stakeholder, die viel Einfluss haben, aber weniger Interesse zeigen, gilt es zufrieden zu stellen. Zum Beispiel mit einem Quartalsbericht. Die restlichen Stakeholdergruppen genügt es zu informieren. Zum Beispiel mit einer monatlichen Rundmail.

Frage 6: “Welche Tools sind hilfreich für das Produktmanagement?”

Erfolgreiches agiles Produktmanagement beruht auf drei Säulen: Vision, Wert und Validierung.

Die Produkt-Vision stellt Transparenz her. Den Wert zu definieren, bietet etwas Überprüfbares. Validierung verursacht Anpassung. Wenn sich Produktmanager bei ihrer Arbeit auf diese drei Bereiche konzentrieren, lassen sie sich von Empirie leiten und arbeiten somit agil.

Tools sind keine Allheilmittel.

Bei ihrer Auswahl müssen Product Owner klug vorgehen. Die meisten Produktmanager, denen ich begegne, konzentrieren sich dabei lediglich auf die Auswahl einer passenden Softwarelösung. Wenn ich mir aber ansehe, auf was die erfolgreichsten Product Owner Wert legen, kann ich ein klares Muster erkennen: Sie wählen Tools danach aus, ob sie ihnen helfen, die Vision transparent zu machen, besser den Wert ihrer Lösung einzufangen oder bei der Validierung ihrer Annahmen helfen.

Hier einige Beispiel:

  • Vision: Product Vision Box, Product Strategy Canvas, Elevator Pitch
  • Wert: Marktumfragen, Goal-driven Roadmaps, Buy-a-Feature-Workshops
  • Validierung: Evidence Management Framework, Kundenumfragen, A/B Testing

Frage 7: „Wie arbeite ich als Product Owner mit mehreren Teams?“

Versinkst du als Product Owner eines Produkts, an dem mehrere Teams beteiligt sind, in Arbeit? Kommst du mit dem Schreiben und Abnehmen der User Stories nicht mehr hinterher?

Dann wird es Zeit, dies zu ändern, um nicht zum Engpass der Entwicklung zu werden.

Die Lösung lautet nicht noch weitere Product Owner einzustellen, sondern Produktmanagement-Fähigkeiten in den Teams zu entwickeln. Nur autonome, kompetente und sich selbst managende Teams sind langfristig in der Lage, eigenständig Wert für Kunden zu generieren.

Als ersten Schritt lade beispielsweise die Entwickler ein, dich beim nächsten Kundentermin zu begleiten.

Frage 8: “Theorie ist gut, aber wie beginne ich jetzt in der Praxis?”

Ein Training bietet dir eine Lernatmosphäre. Als Nächstes musst du das Gelernte auch in der Praxis anwenden.

Mein bester Tipp hierfür lautet: Hole den Scrum Master deines Teams mit ins Boot. Bitte ihn, mit dir gemeinsam den nächsten Schritt in deiner Reise als Product Owner zu gehen und dich bei der Umsetzung zu unterstützen. Zum Beispiel:

  • Bitte den Scrum Master, dass er einen Workshop moderiert, indem euer Team die Vision für das Produkt nochmal genau festhält.
  • Bitte ihn, dir zu helfen, das Sprint Review zu facilitieren.
  • Bitte den Scrum Master, dass er dir hilft, Product- und Sprint-Ziele besser zu verstehen und im nächsten Sprint zu verwenden.

Aus meiner Erfahrung ist die Gemeinschaft einer anderen Person, der beste Motivator gute Vorsätze auch in die Tat umzusetzen, da sie hilft, Verantwortung zu übernehmen.

Frage 9: “Was ist der häufigste Fehler in der Umsetzung von Scrum und wie vermeide ich diesen?”

Der Versuch, Scrum perfekt machen zu wollen.

Agilität und Scrum ist nicht das Ziel. Scrum ist ein Rahmenwerk, welches es ermöglicht, schnell auf Marktänderungen zu reagieren. Dadurch können neue Chancen genutzt werden und das Risiko minimiert werden, Dinge zu entwickeln die keinen Wert für den Kunden oder Nutzer darstellen. Erfolg bedeutet eben nicht, perfekt den Regeln von Scrum zu folgen, sondern die Ziele für das Produkt zu erreichen.

Denke immer daran: Perfektionismus ist das Gegenteil von Fortschritt.

Frage 10: „Wie kann ich mich auf die Zertifizierungsprüfung vorbereiten?“

Hier meine Top 3 Tipps, um dich bestmöglich auf die Zertifizierungsprüfung zum Professional Scrum Product Owner vorzubereiten:

  1. Wiederhole die kostenlose Übungsprüfung so lange, bis du regelmäßig 100 % der Punkte erzielst.
  2. Studiere den Scrum Guide. Du hast richtig gelesen. Nicht lesen, sondern studieren, also mit Stift und Zettel. Markiere dir die Verantwortlichkeiten von Scrum Master, Entwickler und Product Owner. Wiederhole nochmal alles Wichtige zu den Events in Scrum. Wer muss daran teilnehmen? Wie lange dauert das Event? Was macht das Event transparent? Was wird überprüft und was angepasst?
  3. Product Ownership ist mehr als nur Scrum und Product-Backlog-Management. Im Professional Scrum Product Owner Training lernst du auch über Vorhersage und Release-Planung, Produkt-Vision, Produktwert, Product-Backlog-Management, Geschäftsstrategie-Entwicklung und Stakeholder & Kunden Management. Wiederhole diese Dinge und stelle dir dabei die Frage, wie diese Praktiken helfen können, den Wert der Arbeit der Entwickler zu maximieren.
Simon Flossmann
Simon Flossmann
Als Professional Scrum Trainer bei Scrum.org hilft Simon Scrum Masters, Product Ownern und Agile Leaders, Scrum effektiv einzusetzen, um agiler zu werden.

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