Menschen am Tisch

Ansätze für ein gutes Daily Scrum: der personenzentrierte Ansatz 

Ein Daily Scrum, auch bekannt als Daily-Stand-up-Meeting, ist ein wichtiger Bestandteil der agilen Methodik. Es ist eine kurze tägliche Besprechung, die von Entwicklungsteams abgehalten wird, um den Fortschritt des Inkrements zu überprüfen, Hindernisse zu identifizieren, die Zusammenarbeit zu fördern und letztlich die tägliche Arbeit zu planen. 

Es gibt zwei Ansätze, nach denen ein Daily Scrum durchgeführt werden kann:

  • personenzentriertes Vorgehen
  • taskzentriertes Vorgehen

Hier wollen wir uns mit dem personenzentrierten Ansatz auseinandersetzen. Den Beitrag zum taskzentrierten Vorgehen findet ihr hier.

Menschen am Tisch
Ein wichtiger Aspekt des personenzentrierten Ansatzes im Daily Scrum ist das Zuhören und die gegenseitige Wertschätzung (Foto: Pixabay).

Der personenzentrierte Ansatz kurz erklärt

Der personenzentrierte Ansatz im Rahmen des Daily Scrums legt den Fokus auf die Bedürfnisse und Anliegen der einzelnen Teammitglieder. Hierbei geht es darum, ein offenes und vertrauensvolles Umfeld zu schaffen, in dem alle Mitarbeiter:innen ihre Anliegen und Bedenken äußern können. Indem das Team den individuellen Bedürfnissen und Stärken jedes Teammitglieds Beachtung schenkt, kann eine starke Teamdynamik entstehen.

Ein wichtiger Aspekt des personenzentrierten Ansatzes ist das Zuhören. Jedes Teammitglied hat die Möglichkeit, seine Sichtweise auf die aktuelle Lage zu teilen und seine Bedenken oder Probleme zu äußern. Indem jedes Teammitglied das Gefühl hat, gehört und verstanden zu werden, können Konflikte vermieden und eine positive Teamdynamik aufgebaut werden.

Vorteile des personenzentrierten Ansatzes

  • Die Zusammenarbeit und das Vertrauen zwischen den Teammitgliedern wird gefördert, da sie in einer offenen und vertrauensvollen Umgebung über ihre Fortschritte und Probleme sprechen.
  • Die Teammitglieder fühlen sich häufig mehr wertgeschätzt und gehört, was ihre Motivation und Zufriedenheit erhöhen kann.
  • Indem die Teammitglieder sich gegenseitig unterstützen und Lösungsmöglichkeiten für Hindernisse finden, ist es ein hervorragendes Werkzeug, um täglich daran zu arbeiten, dass das Team schneller und effektiver arbeitet.

Es gibt aber auch Nachteile für das personenzentrierte Vorgehen:

Nachteile des personenzentrierten Ansatzes

  • Es besteht die Gefahr, dass das Meeting zu sehr auf individuelle Fortschritte und Probleme fokussiert wird und der Gesamtfortschritt vernachlässigt wird.
  • Es erfordert, dass alle Teammitglieder sich auf eine offene und vertrauensvolle Umgebung einlassen, was manchmal schwierig sein kann, wenn Konflikte oder Persönlichkeitsunterschiede bestehen.
  • Es kann länger dauern als der taskzentrierte Ansatz
  • Unser Hauptziel, den Fluss von Arbeit zu optimieren, kann dadurch aus dem Fokus geraten. 

Um die Nachteile zu verringern und zu gewährleisten, dass das Daily Scrum ein Erfolg wird, solltest du die nachfolgenden Voraussetzungen sicherstellen.

Voraussetzungen für ein gutes Daily Scrum mit personenzentriertem Ansatz

  1. Vertrauensvolles Umfeld: Das Team sollte in der Lage sein, in einem vertrauensvollen Umfeld zu arbeiten, in dem jedes Teammitglied offen über seine Anliegen sprechen kann.
  2. Offene Kommunikation: Es ist wichtig, dass alle Teammitglieder offen kommunizieren und ihre Gedanken und Bedenken äußern können, um sicherzustellen, dass alle Bedürfnisse und Perspektiven gehört werden.
  3. Respektvolles Miteinander: Jedes Teammitglied sollte den anderen mit Respekt und Wertschätzung behandeln, um eine positive und konstruktive Teamdynamik aufzubauen.
  4. Ein unterstützendes Umfeld: Das Team sollte sich gegenseitig unterstützen und bei Bedarf Hilfe anbieten, um sicherzustellen, dass alle Teammitglieder ihre Aufgaben erfüllen und das Ziel des Sprints erreicht wird.

Um das taskzentrierte Daily Scrum gleich ausprobieren zu können, folgt nun eine Anleitung, an der du dich orientieren kannst. Berücksichtige die zuvor genannten Voraussetzungen und gehe wie folgt vor: 

Schritt-für-Schritt-Vorgehen für ein personenzentriertes Daily Scrum

  1. Begrüßung und Check-in: Zu Beginn des Daily Scrums begrüßt der Scrum Master alle Teammitglieder. Dies schafft eine offene und freundliche Atmosphäre und zeigt, dass das Wohlbefinden jedes Teammitglieds wichtig ist.
  2. Erinnerung an den Zweck des Daily Scrums: Der Scrum Master erklärt kurz den Zweck und den Ablauf des personenzentrierten Daily Scrums und betont, dass es hier vor allem um die persönlichen Bedürfnisse, Herausforderungen und Fortschritte jedes Teammitglieds geht.
  3. Jedes Teammitglied hat nun reihum das Wort: Jedes Teammitglied berichtet kurz, wie es ihm geht, welche Fortschritte er gemacht hat und welche Herausforderungen er derzeit hat. Der Fokus liegt hierbei auf den persönlichen Bedürfnissen und Herausforderungen jedes einzelnen Teammitglieds in der täglichen Arbeit.
  4. Fragen und Diskussion: Nachdem alle Teammitglieder gesprochen haben, können Fragen gestellt und Probleme diskutiert werden. Hier geht es darum, mögliche Lösungen zu finden und Unterstützung anzubieten. Für größere Themen notiert der Moderator diese und organisiert dafür einen gesonderten Termin.
  5. Abschluss und Check-out: Am Ende des Daily Scrums bedankt sich der Scrum Master bei allen Teammitgliedern für ihre Teilnahme. 
  6. Ihr wollt den Wert des Daily steigern? Dann könnt ihr zum Abschluss die Teammitglieder noch bitten, zu reflektieren, was sie aus dem Daily Scrum mitnehmen und was sie für den Tag planen und was das Daily für sie noch wertvoller machen würde.

Ein gutes personenzentriertes Daily Scrum sollte eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre schaffen, in der jedes Teammitglied gehört und unterstützt wird. Es sollte nicht nur um die Arbeit, sondern auch um das Wohlbefinden und die persönlichen Bedürfnisse jedes Einzelnen gehen. Auf diese Weise können Teams eine positive und konstruktive Dynamik aufbauen und gemeinsam erfolgreich sein.

Weshalb die Anwendung beider Ansätze hilfreich sein kann

Es kann sinnvoll sein, zwischen dem personenzentrierten und dem taskzentrierten Ansatz von Zeit zu Zeit zu wechseln, um das Beste aus beiden Welten zu nutzen und die Vorteile beider Ansätze zu kombinieren. Der Wechsel kann dazu beitragen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Aufgabenorientierung und Teamorientierung zu erreichen, sodass jeder im Team die Gelegenheit hat, auf seine Weise zu arbeiten und sich auszudrücken.

Zum Beispiel könnte man zu Beginn der taskzentrierten Ansatz verwenden, um sicherzustellen, dass jeder auf dem neuesten Stand ist und dass die Aufgaben im Zeitplan bleiben. Sobald das Team jedoch in Schwierigkeiten gerät oder Hindernisse auftreten, könnte es sinnvoll sein, zum personenzentrierten Ansatz zu wechseln, um zu gewährleisten, dass die Teammitglieder sich gegenseitig unterstützen und Lösungen finden können.

Ein weiterer Grund, zwischen den beiden Ansätzen zu wechseln, könnte darin bestehen, dass die Teammitglieder unterschiedliche Persönlichkeiten und Arbeitsstile haben. Einige Teammitglieder fühlen sich möglicherweise wohler, wenn sie ihre Aufgaben diskutieren und den Fortschritt im Auge behalten, während andere von der Möglichkeit profitieren, sich offen über ihre Fortschritte und Probleme auszutauschen. Durch den Wechsel zwischen den Ansätzen kann sichergestellt werden, dass jeder im Team die Gelegenheit hat, auf seine Weise zu arbeiten und sich auszudrücken.

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