Immer dieses blöde Gelaber über Werte!

So oder so ähnlich (ok,  vielleicht etwas überspitzt) höre ich das immer wieder: “Überall kleben Poster mit Firmenwerten an der Wand und jetzt kommt auch noch der Scrum Master mit sowas an! Es nervt!”

Aber warum überhaupt?
Und was hat es mit Werten zu tun, dass Du bereits bis hierhin gelesen hast?

Was sind eigentlich Werte?

Häufig startet hier im Kopf bereits die Aufzählung von Beispielen, wie Mut, Respekt, etc., auf Firmenplakaten steht vielleicht noch sowas, wie Offenheit und Augenhöhe. Bla, bla, bla! 

Werte
Photo by Arno Senoner on Unsplash

Aber das beantwortet nicht die Frage, was Werte eigentlich sind.
Eine universelle Definition gibt es nicht, jedoch einige schöne Beschreibungen, wie bspw. diese hier:

Werte benennen das, was uns wirklich wichtig ist im Leben, was uns antreibt und uns motiviert.

Hierbei lässt sich ergänzen, dass Werte stark emotional besetzt sind, weshalb ich auch die Beschreibung  eines Kollegen sehr passend fand:

“Werte sind für mich die Leitplanken, an denen ich mein Leben ausrichte und mein Vorgarten, in dem jemand anderes besser nicht herumtrampelt”

Ein paar Fun-Facts:

  • Häufig sind wir uns unserer eigenen Werte nicht bewusst
  • Viele Konflikte entstehen durch Werteverletzungen und zwar ohne, dass wir das erkennen
  • Die eigenen Werte können zu inneren Konflikten führen (bspw. wenn mir Sicherheit sehr wichtig ist UND auch Unabhängigkeit)

Um nochmal auf die Frage vom Anfang zurück zu kommen: warum hast Du bis hierhin gelesen?

Vielleicht (es kann natürlich auch 1000 andere Gründe haben) hat meine bewusst provokante Formulierung der Überschrift ja auch unbewusst auf Deiner Werteklaviatur gespielt…!? Wenn Du Dir gedacht hast “genau – die blöden Werte!” oder “was soll das – Werte sind wichtig!”, dann könnte das ein Hinweis sein 😉

Aber weiter im Text…

Jetzt wird’s kompliziert…

Naja, eigentlich nicht – tatsächlich ist es das bereits, nur ist uns das meistens gar nicht so bewusst.

Neben den persönlichen Werten gibt es noch kollektive Werte, bspw. die des sozialen Umfelds, der Firma, des Kulturkreises. “Westliche Werte” hat jeder schon gehört, aber wer hat schon mal eine Checkliste gesehen, die diese aufzählt?

Und dennoch haben wir ein “Gefühl” davon, was das grob bedeutet. Genau! 

Es gibt Werte, die wir benennen und aufschreiben können und Werte, derer wir uns gar nicht bewusst sind und nach denen wir trotzdem leben. So hat jedes soziale System (Familie, Firma, Verein, etc.) ein individuelles Konstrukt an Verhaltensweisen, Umgangsformen und Regeln, die für uns mitunter unsichtbar über Werte verbunden sind.

Sowas nennt man Kultur.

Culture eats strategy for breakfast

Ich weiß, der Spruch ist abgedroschen. Sorry for that!

Aber er stimmt – das, was bspw. eine Firma ausmacht, nämlich der bewusste und vor allem unbewusste Umgang miteinander, der Führungsstil, die Verhaltensweisen, das, was gefördert oder geahndet wird, das ist das, was wir landläufig als Firmenkultur bezeichnen.

Und das ist viel stärker, als ein paar Worte, die irgendwer auf Hochglanzplakate gedruckt und im Korridor aufgehängt hat.
Es nervt halt tierisch, wenn das, was gesagt wird, nicht (vor-)gelebt wird.

Das gilt übrigens auch für die Scrum-Werte: “hey, wir machen jetzt Scrum und ab heute lebt Ihr bitte die folgenden Werte: a, b, c!” … nee – das wird so nicht klappen. Zumindest nicht nachhaltig.

Ok, was kann ich tun?

Die Antwort auf diese Frage ist vielfältig und wenn Du hier jetzt eine Checkliste von einfachen Maßnahmen erwartest, dann muss ich Dich leider enttäuschen. In den nächsten Wochen werde ich hierzu immer mal wieder etwas schreiben, was jedes mal das Bild etwas klarer erscheinen lässt. Wenn Dich das interessiert, dann abonniere den Newsletter 😉 !

Wenn Du möchtest, dann kannst Du aber folgendes schon einmal ausprobieren:

Für Dich selbst

  • Schreibe mal auf, was Dir wirklich wichtig ist (bspw. im Job, den Du machst) und was genau es ist, dass es Dir so wichtig macht
  • Gibt es hier eine Gewichtung – gibt es Dinge, die Dir wichtiger sind, als andere?
  • Gab es in der letzten Zeit Situationen, die Dich geärgert haben oder die richtig klasse waren? Gibt es da einen Bezug zu den Punkten, die Du aufgeschrieben hast?

Wenn Du einen klassisch ausgebildetet Coach zur Hand hast, kannst Du das auch sehr gut gemeinsam mit ihm/ihr erarbeiten.

Aber warum kann das überhaupt eine spannende Übung für jeden, aber insbesondere für Scrum Master oder Agile Coaches, sein?

Es klingt trivial, aber je bewusster Du Dir über Dich selbst bist, umso bewusster kannst Du Dich in Deinem sozialen Umfeld bewegen. Du verstehst besser, was Dich triggert und warum und Du erkennst, wann Du im Vorgarten anderer herumtrampelst. Gerade für Menschen, die in einer (agilen) Veränderung stecken, kann das hilfreich sein – für Menschen, die sie mitgestalten, ist das imho essentiell.

Und hier noch ein paar Dinge, die Du zusätzlich versuchen kannst:

  • Es gibt einen Konflikt in Deinem Umfeld? – geht’s um die Sache oder ist da jemand auch unbewusst in den Vorgarten eines anderen getreten?
  • Redet Ihr über Werte, aber gelebt werden sie nicht? Woran kannst Du das (auch bei Dir) erkennen?

Ich würde mich freuen, wenn Du Deine Sicht und eventuelle Erkenntnisse in einem Kommentar mit mir und anderen teilst!

In diesem Sinne – viel Spaß dabei!

PS: wie sich das Herumtrampeln in fremden Vorgärten zu einem amtlichen Konflikt auswachsen kann, kannst Du hier nachlesen.

 

Markus Ingendahl
Markus Ingendahl
Als systemischer und agiler Coach betrachtet Markus agile Transitionen ganzheitlich und insbesondere diejenigen Aspekte, die in klassischen agilen Ausbildungen seltener im Fokus stehen, aber für den Erfolg entscheidend sind.

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